Vom 14. bis zum 16. April fand in Noordwijk das erste Global Speakers Summit auf europäischem Boden statt. Das Grandhotel „Huis ter duin“ bot die beeindruckende und sonnige Kulisse für einen Branchenevent der speziellen Art. Business-Speaker und Referenten aus mehr als zwanzig Ländern und von allen fünf Kontinenten trafen sich im Zeichen der Weiterbildung zum Fachsimpeln, zum Netzwerken und zum Feiern – ein großer Galaabend mit US-amerikanischer Prominenz inklusive.
Tim Gard, prominenter Humorspezialist und Keynote-Speaker aus den USA, war für seine Performance zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Auf der Bühne des Pické-Saales am Gala-Abend des Global Speakers Summit. Nun ist das ja das Mindeste, was man von einem Professional Speaker und Referenten, der die Bühnen großer Unternehmen bespielt, erwarten kann. Was also ist daran so besonders? Ganz einfach: Sein Auftritt relativierte so manches, was im Vorfeld schief gelaufen war.
Kongressorganisation mit Luft nach oben
Denn schon am
Vortag, dem ersten Tag des Kongresses, waren die ersten kritischen
Stimmen laut geworden: Ein tougher Zeitplan, sehr kurze Netzwerk- und
Verpflegungspausen und die schlechte Qualität des Caterings hatten schon
früh begonnen, einigen Teilnehmern den Aufenthalt zu vermiesen. Dazu
kamen am ersten Tag einige gänzlich content-freie Keynotes und
20-minütige Workshops in extrem dichter Taktung, in denen oft nur die
Oberfläche des angekündigten Themas angekratzt werden konnte. Das
einsame Highlight an diesem Donnerstag war die einzige Keynote eines
Deutschen auf dem GSS, nämlich „The Turnover Machine“ von Andreas Buhr,
in der Buhr charismatisch wie eh und je sein Kernthema bespielte. Das
Fazit für den ersten Tag: Sicherlich stellen Kongresse und Konferenzen
ab einer gewissen Größe eine Herausforderung für die Organisatoren dar,
aber bis hierhin bekamen viele Teilnehmer den Eindruck, dass ihre
Toleranzgrenzen systematisch erweitert wurden.
Doch zurück zu Tim Gard und dem gelungenen Gala-Abend: Hatte man auch den zweiten Tag des GSS glücklich hinter sich gebracht, konnte man nun nicht mehr anders, als befreit aufzulachen, sich ein Glas des (diesmal sehr ordentlichen) Weines nachzuschenken und alle Anspannung loszulassen. Mission accomplished – der Meister der „Stressreduktion durch Humor“ hatte wieder zugeschlagen.
Halbzeit mit einer Wendung zum Besseren
Schon im Laufe des
zweiten Tages hatte sich diese Wendung zum Besseren angedeutet; die
Veranstaltung begann, ihren Rhythmus zu finden. Martin Limbeck konnte in
seinem Workshop zum Thema „Erfolgreich als Trainer mit dem
Reziprozitätsprinzip“ mit gewohntem Elan überzeugen. Als Besucher konnte
man Kernthemen ausmachen und so versuchen, einem inneren Radar zu
folgen, um doch noch an nützlichen Input zu kommen. Denn schließlich war
man ja angereist, um die neuesten und die internationalen Trends und
Entwicklungen der Speaker-Szene kennen zu lernen und von diesen zu
profitieren. Doch was gab es nun wirklich Neues, worin bestand die in
Programm und Kongressmotto so breit durchexerzierte „Power of
Possibilities“?
Keynotes nach Noten
Eine Antwort
könnte – leicht flapsig – sicher lauten: Mit Musik geht alles besser.
Dass dies auch für Themen rund um das Business gilt, hatte der
niederländische Referent Richard de Hoop schon am Donnerstagabend in
seiner Keynote während des „Dutch Evening“ gezeigt. Teambuilding analog
des Aufbaus eines Orchesters, Mitarbeiter, die sich und ihre
Eigenschaften in einem oder mehreren Instrumenten wiederfinden, all das
hatte immerhin einen kleinen Originalitätsfaktor, der sich durch de
Hoops spritzige Performance in ein beinahe abendfüllendes Thema
verwandelte.
Karlheinz Illner setzte dann mit seinem Workshop
„The power of music“ am Freitag noch einen drauf und bewies, dass man
auch in 20 Minuten kurz und prägnant Content und eine sinnvolle Message
transportieren kann: Unternehmen werden künftig bei der Gestaltung ihrer
CI um Soundbranding nicht mehr herum kommen, wenn sie konsequent die
Entscheidungen ihrer Kunde auch auf der emotionalen Ebene beeinflussen
wollen. Das Highlight des Tages aber war Michael Southon aus
Großbritannien mit seinem Showcase „ Something about the Beatles“: Ein
Feuerwerk kreativer und nützlicher Anregungen zum Thema Entrepreneurship
und dazu, was Unternehmer von „der besten Band der Welt“ (Southon)
lernen können.
Engagement im Trend
Doch wer es darauf
anlegte, wurde auf dem GSS durchaus auch mit „ernsten“ Themen
konfrontiert. Viele der Speaker thematisierten eigene, nicht immer
einfache Lebenserlebnisse oder stellten sich mit ihren Keynotes oder
Workshops in den Dienst einer größeren Sache: Juliet Pratt aus
Neuseeland schilderte äußerst eindrucksvoll ihren weltweiten Kampf gegen
das Amalgam, das sie persönlich vor Jahren beinahe das Leben gekostet
hätte. Richard Bottram, neuer Präsident der PSA Niederlande, lieferte
eine hoch emotionale Performance, in der er seinen Kampf gegen die
Krebserkrankung seiner Frau und seine Initiative „Wheel of energy365“
gegen die tödliche Krankheit vorstellte. Bottram läuft in diesem
„wheel“, einem Laufrad, jeden Tag einen vollen Marathon – seit dem
10.10.2010 und für 365 Tage hintereinander.
Einen „gesamt-globalen
Blick aus der Vogelperspektive“ der besonderen Art konnte das Publikum
dann am Samstagmorgen – nach dem berühmten Blumenkorso – auf unsere
schöne Erde werfen: Wubbo Ockels, Keynote-Speaker und erster Mann der
Niederlande im All während der „Challenger“-Mission 1985, schärfte das
Bewusstsein mit einer eindrucksvollen Videopräsentation dafür, dass wir
alle letztlich nur Besatzungsmitglieder auf dem „Raumschiff Erde“ sind
und uns kein zweiter Planet zum „Umsteigen“ zur Verfügung steht. Auch
GSA-Präsident Prof. Dr. Lothar Seiwert war sichtlich beeindruckt: „Hier
zeigt sich doch, dass ein Vortragsredner auch in großem Rahmen etwas
bewegen kann. Think global – und zwar im besten Sinne. Für mich ist das
auch ein Zeichen, das wir mit unserem internationalen Engagement in der
Speaker-Szene auf dem richtigen Weg sind.“
Fortschritt in Vielfalt
Gut
gebrüllt, Löwe! Denn dass es ohne integrativ-vernetztes und globales
Denken nirgendwo auf der Welt mehr nennenswerte Fortschritte geben kann,
das war genau der dritte große inhaltliche Schwerpunkt des GSS.
Stichwort „Diversity“: Fortschritt durch Verständnis von Vielfalt,
Integration von Besonderheiten und das Nutzen der Dynamik von
Unterschieden: US-Top-Speakerin Lenora Billings-Harris, die
Niederländerin Jitske Kramer und Dr. Gustav Gous aus Südafrika
thematisierten, jeder auf seine Art, die Power interkultureller
Intelligenz und das enorme Entwicklungspotenzial für Kreativität, das in
der Vielfalt der Kulturen schlummert. Ganz plastisch konnte man das auf
der Bühne noch zum Abschluss der Veranstaltung erleben, als Speaker
aller Nationen zum „Speakers-Song“ antraten, um vereint für den „Global
Speakers Summit 2013“ zu werben.
So schieden denn letztendlich die Teilnehmer, die bis zum Ende ausgeharrt hatten, versöhnt. Man darf gespannt sein, wer von den Europäern sich im Dezember 2013 auf den weiten Weg nach Vancouver, Kanada, machen wird. Um Tim Gard wieder zu sehen, werden sie allerdings nicht so lange warten müssen, denn der ist Keynote-Speaker auf der nächsten Convention der German Speakers Association am 9. und 10. September in München.